Studie der ETH: KI erhöht die Arbeitslosigkeit in der Schweiz
- Dr. Joël Krapf

- 15. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Diese Schlagzeile schlug ein wie eine Bombe:
KI erhöht die Arbeitslosigkeit in der Schweiz
Gemäss einer Studie der ETH Zürich gibt es erste Evidenzen, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeitslosigkeit hierzulande ansteigen lässt (KOF Studien, Nr. 186, 10/2025).
Ich habe mir die Studie und ihre Methodik im Detail angeschaut.
Und ehrlich gesagt: Ich habe Zweifel.
Was hat die ETH konkret herausgefunden?
Seit dem Aufkommen von ChatGPT (Herbst 2022) werden KI-exponierte Berufe weniger nachgefragt, während gleichzeitig mehr Personen in diesen Bereichen arbeitssuchend sind – im Vergleich zu weniger KI-exponierten Berufen.
Was sind KI-exponierte Berufe?
Die Studie nutzt dazu das Framework von Eloundou et al. (2024), das Berufe in einzelne Aufgaben zerlegt und prüft, in welchem Ausmass LLMs die Bearbeitungszeit dieser Tasks um mindestens 50% reduzieren könnten.
Stark betroffen sind gemäss diesem Framework Berufe wie Applikationsentwicklung, Datenbankadministration oder Web- und Softwareentwicklung.
Kaum betroffen sind hingegen Küchenhilfen, Reinigungspersonal, Hilfsarbeiter im Tiefbau oder Näherinnen
Warum habe ich Zweifel?
Die Studie zeigt eine Korrelation, aber keine Kausalität. Und das ist ein entscheidender Unterschied.
Zwischen Schokoladenkonsum und Nobelpreisen gibt es auch eine Korrelation – aber niemand würde daraus eine Kausalität ableiten.
Die Autoren argumentieren, dass sich KI-exponierte und nicht-exponierte Berufe bis 2022 im Gleichschritt entwickelt hätten – und sich diese Dynamik erst seit ChatGPT verändert habe.
Doch zwei Gegenargumente erwähnen die Autoren, ohne sie adäquat zu widerlegen:
1️⃣ Zeitliche Wirkung
Ist es realistisch, dass KI so schnell Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zeigt? Die Autoren bejahen das mit Verweis auf die rasante private Nutzung von ChatGPT. Jedoch wurde die Enterprise-Nutzung nicht untersucht. Und diese macht es deutlich zweifelhafter, dass bereits so schnell eine Wirkung auf dem Arbeitsmarkt zu sehen ist.
2️⃣ Alternative Erklärungen
Die betroffenen Berufe sind vor allem im IT-Bereich zu finden. Eine alternative Erklärung wäre: Digitalisierungsschub während Corona hat zu einem Aufbau dieser Berufe geführt. Nach Corona waren viele Unternehmen unter Spardruck und haben die Auslagerung dieser Rollen ins Ausland forciert. Diese naheliegende Hypothese wurde leider wie auch andere Einflüsse nicht untersucht.
Mein Fazit
Die Studie ist methodisch sauber. Aber sie untersucht die eigene Kausalität zu wenig kritisch. Zwar werden Einschränkungen offen genannt, aber es fehlen weiterführende Analysen, welche die Kausalität erhärten:
Wie stark nutzen Schweizer Unternehmen KI tatsächlich?
Wie stark war KI der Einfluss der Personalstrategie?
Inwiefern spielen makroökonomischen Einflüsse (z. B. Corona, Offshoring) eine Rolle?
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, gilt:
Es gibt Hinweise – aber keinen Beweis.



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